< Neuer Kopf der Wirtschaftsjunioren
01.02.2017

Bauch schlägt Kopf

Florian Schläger räumte mit gängigen Vorteilen über Werbung gründlich auf.

Geschmacks- oder Glaubenssache? Gibt es wirklich einen wahrnehmbaren Unterschied zwischen dem Mineralwasser, das 49 cent pro Liter kostet und dem für 1,19 Euro? Oder spielt nicht das Etikett, das auf der Flasche klebt, die weitaus größere Rolle als der Inhalt?

Vielleicht gilt das im Privatbereich, möchte man einschränkend sagen, wenn man gut Essen geht und einen edlen Wein bestellt. Doch im Geschäftsleben? Da zählen ausschließlich Preis und Leistung, oder? Nicht unbedingt. Der Weidener Diplom-Kommunikationswert Florian Schläger, der den Wirtschaftsjunioren Nordoberpfalz jetzt die Geheimnisse erfolgreichen Werbens nahebrachte, weiß: „Es ist ein Fehler, im Geschäftsleben die anderen nur als steife Krawattenträger wahrnehmen. Tatsächlich reagieren wir auch im Beruf auf diesselben Reize und handeln aus denselben Bedürfnissen heraus wie im Privatleben.“

Erfolgreich, sexy und glücklich

Große Firmen haben das erkannt – und setzen alle Aspekte der Werbepsychologie gekonnt in ihrer Kampagnen in Szene. So etwa SAP. Wenn der Softwarehersteller Geschäftskunden anspricht, dann tut er dies neuerdings mit einem Video, in dem attraktive, moderne, junge Menschen dank SAP-Software überaus erfolgreich ihren Job ausüben. Sie sprühen vor Begeisterung im Team, wenn sie prognostizieren, was ihre noch attraktivere Kundin in sechs Monaten tun wird; sie beweisen ganz außerordentlichen Sinn für Humor, sind wahnsinnig locker und haben nicht nur Erfolg, sondern offensichtlich auch großen Spaß an ihrem Job. Alles ist unglaublich einfach, so einfach wie schon allein der Name des Ganzen: „Run Simple“.

Die Bilder der Geschichte wirken wie ein Versprechen auf einen potenziellen Kunden, der doch eigentlich ein so komplexes Produkt wie eine Software kaufen soll und schlicht nach Pflichtenheft entscheidet – oder auch nicht. „Werbung funktioniert durch die Hintertür“, erklärte Schläger und machte gleichzeitig Mut: „Jeder, aber auch wirklich jeder kann eine Marke sein.“

Regionale Marken schaffen

Wichtig dafür sei, sich auf die eigenen Stärken zu besinnen, die Persönlichkeit des Unternehmens nach außen zu kehren und die Marke aus dem individuellen Wertekatalog zu entwickeln. Ganz wesentlich sei zudem, klar auszumachen, wen man erreichen wolle. Dann klappt es auch bei einem kleineren Budget, etwa eine regionale Marke aufzubauen oder in einem Spezialmarkt sichtbarer zu werden.  

In einer Zeit, in der Produkte und Leistungen vielfach nur noch über den Preis unterscheidbar seien, warnte Schläger davor, sich am Preiswettbewerb zu beteiligen. Dieser könne nur zu einer Abwärtsspirale führen, die letztlich zulasten der Qualität ginge. Viel besser sei es, den Wert der eigenen Produkte und Dienstleistungen durch intelligentes Marketing in der Wahrnehmung des Kunden anzuheben.

Die Wirtschaftsjunioren und auch die zahlreichen Gäste konnten die vielen Gedankenanstöße mit einer ganzen Reihe von unterschiedlichen Branchen, Märkten und Gesetzmäßigkeiten abgleichen. Ganz direkt auf Herz und Nieren prüfen durften sie unmittelbar die Zukunftsfähigkeit ihres Internetauftritts. Die Teilnehmer sollten dazu ihre Websites über ihre Smartphones aufrufen.

Zoomen? Scrollen? Alles nicht gut, so Schläger. Künftig werde der potenzielle Kunde nämlich den ersten Kontakt zu einem Unternehmen immer stärker über ein Mobilgerät und die Homepage suchen. Ob alle Webseiten der Anwesenden schon darauf ausgerichtet waren, blieb im Dunklen.

Anders als alle Anderen

Fast schon wie vom grellen Licht der Reklame angestrahlt wirkte dagegen der Schlussappell: „Kehren Sie Ihren Mehrwert nach außen, machen Sie was aus dem, weshalb die heutigen Kunden schon bei Ihnen sind und erzählen Sie es künftigen, Hauptsache Sie beherzigen die vier „A“s des Marketings: 'Anders als alle anderen.'“

Die Veranstaltung zum Thema Werbung fand im Steinstadel des Landrichterschlosses in Parkstein statt und war Teil der Reihe „Zur Sache, Junioren“. Im Rahmen dieser Reihe diskutieren die Wirtschaftsjunioren Nordoberpfalz gemeinsam mit Gästen regelmäßig wichtige Themen aus dem unternehmerischen Tagesgeschäft. Dabei informieren Mitglieder aus ihrem Arbeitsfeld und geben Tipps zu konkreten Fragestellungen.