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09.08.2016

Fettnäpfchen beim Vorstellungsgespräch

Hilfe vom Profi: Der Sprecher der Wirtschaftsjunioren Nordoberpfalz Josef Maier (l.) unterstützt beim Bewerbungstraining

Die Hände sind feucht, der Hals ist trocken, die Stimme ist rau: Nicht wenige der Achtklässler, die zum Probevorstellungsgespräch kommen, sind richtig aufgeregt. „Die jungen Leute nehmen das sehr, sehr ernst“, sagt der Weidener IHK-Geschäftsstellenleiter und Wirtschaftsjunioren-Geschäftsführer Florian Rieder. In den vergangenen Wochen haben  die  Mitglieder der Wirtschaftsjunioren mit den Mittelschülern der Region den Ernstfall geprobt: das erste echte Vorstellungsgespräch.

 

Bereits seit über einem Jahrzehnt gibt es dieses Angebot, verstärkt haben es die Wirtschaftsjunioren in den vergangenen beiden Jahren. Allein im Juni und Juli 2016 besuchten sie sechs Mittelschulen in der Region: die Max-Reger-Schule in Weiden sowie die Mittelschulen in Altenstadt, Eschenbach, Pressath, Waldsassen und Kemnath.

 

Dort berieten sie insgesamt 137 Schülerinnen und Schüler. Über 100 ehrenamtliche Arbeitsstunden kamen so zusammen. „Wir tun das aber gern, ganz einfach, weil wir selbst jung sind und uns in die Situation hineinversetzen können. Wir wollen den jungen Leuten die Angst nehmen“, erklärt WJ-Kreissprecher Josef Maier. Unternehmer sein heiße, nicht immer nur zu nehmen, sondern auch zu geben.

 

Professioneller Mappencheck

 

Das, was die Achtklässler und die teilnehmenden Schulen bekommen, ist ein Komplettpaket in Sachen Bewerbung. Es reicht von den Vorbereitungsmaterialien wie einer professionellen Musterbewerbungsmappe oder einer Checkliste zu typischen Fragen im Bewerbungsgespräch für die Lehrer bis hin zum Einzel-Feed-back und Berufsberatungsgespräch für die Teilnehmer.

 

Die individuelle Beratung ist dabei äußerst wichtig. „Denn es haben ja nicht alle eine sichere Einschätzung, ob ihr Wunschberuf überhaupt mit ihrem Schulabschluss zusammenpasst. Wir zeigen dann auf, welchen Weg sie einschlagen müssen, um an ihr Ziel zu gelangen“, erklärt Birgit Trummer von der IHK, die das Programm seit über zehn Jahren mit betreut. Ohne diese Beratung liefen viele Bewerbungen schlicht ins Leere.

 

Authentisch und hoch motiviert

 

Tatsache sei aber, dass es sehr viele Schüler gebe, die ganz genau wüssten, was sie wollen. Sie strebten Berufe an, die zu ihnen passen und erklären dies auch ganz authentisch und klar in ihren Bewerbungsanschreiben. „Egal, ob die Schülerin vom Bauernhof gern Tierpflegerin werden möchte, weil sie gern auch mal ein Tier hält, das eine Spritze bekommt, oder ein anderer Koch – sie können es ganz plausibel erklären“, sagt Rieder. Die Bewerbungsmappen entsprächen dann vielleicht nicht immer der Norm, aber das ist für den jeweiligen Beruf womöglich gar nicht notwendig.

 

Die jungen Leute zu bestärken, ihren Weg weiterzuverfolgen oder sie zu unterstützen, diesen zu finden, ist neben dem simulierten Vorstellungsgespräch der wichtigste Aspekt der Bewerbertrainings. Jeder Teilnehmer kann ein Feed-back-Gespräch mit einem Mitglied der Wirtschaftsjunioren führen, die täglich reale Bewerber interviewen. Das ist etwas, das die Schulen so nicht leisten könnten, da die Lehrer normalerweise wenig Einblick in die tatsächliche betriebliche Praxis haben.

 

Stylisten und Fotografen unterstützen

 

An der Max-Reger-Schule in Weiden und an der Mittelschule Waldsassen fand das Bewerbertraining in diesem Jahr gemeinsam mit der Peters Bildungs GmbH statt. Für 47 Schülerinnen und Schüler bedeutete dies: innerhalb von zwei Tagen eine noch intensivere Vorbereitung auf die Bewerbungsphase. Zusätzlich zu Mappencheck, Materialien, simuliertem Gespräch und Feed-back-Runde hatten sie die Möglichkeit, sich professionell stylen und fotografieren zu lassen.

 

„Auch die Jungs haben sich schminken lassen, um ein wirklich sehr gutes Bewerbungsbild zu bekommen“, sagt Reinhold Kolzenburg, der das Weidener Institut der Peters Bildungs GmbH leitet. Das mag vielleicht übertrieben erscheinen, sorgt aber zusammen mit einem fehlerfreien Anschreiben dafür, dass Bewerbungen nicht gleich in der ersten Runde aussortiert werden.

 

Wer es erst ins Vorstellungsgespräch geschafft hat, profitiert noch einmal besonders von den Tipps der Insider. Denn natürlich ist es zum Beispiel angebracht, am Ende des Gesprächs auch dem Personalverantwortlichen Fragen zum Unternehmen zu stellen. Das ist ein Akt der Höflichkeit und bezeugt Interesse. Doch welche Fragen sind gut? Alles ist besser als nichts, jedenfalls fast alles, denn eine Frage ist für angehende Azubis tatsächlich tabu: die nach der Höhe des Verdienstes.

 

Auch im kommenden Sommer veranstalten die Wirtschaftsjunioren wieder Bewerbungstrainings.  Der Kontakt zwischen Schulen und Wirtschaftsjunioren kann über die Schulämter hergestellt werden.